Erfolgreiches Gerichtsdolmetschen

In 7 Schritten zum erfolgreichen Gerichtsdolmetschen


Schritt 1:

Ein erfahrener Dolmetscher

Beauftragen Sie stets einen qualifizierten, professionellen und erfahrenen Dolmetscher. Die Freundin eines Freundes, die Spanisch spricht und 6 Jahre in Chile gewohnt hat, ist keine besonders gute Wahl. Selbst wenn diese Freundin ein Spanisch-Diplom hat, macht das sie noch lange nicht zur Dolmetscherin. Natürlich wäre es bequem und kostengünstig, auf diese Freundin zurückzugreifen, allerdings könnte dies vor Gericht nicht zugelassene Beweise, unzureichende Kommunikation oder regelrecht chaotischen Ergebnisse zur Folge haben. Professionelle Dolmetscher sind qualifizierte Linguisten, die damit ihren Lebensunterhalt verdienen und mit Vorgaben, Moral und einem ordentlichen Gerichtsverfahren richtig umzugehen wissen. Sie können einen Dolmetscher über eine Agentur für Dolmetscherservice engagieren oder sich direkt an einen freiberuflichen Dolmetscher wenden. Ersteres hat den Vorteil, dass der Übersetzer von der Agentur bereits geprüft wurde. Die Beauftragung eines solchen Übersetzers ist jedoch auch kostspieliger. Direkt einen Übersetzer zu beauftragen ist zwar wie Lotto spielen, aber auch kostengünstiger.

Schritt 2:

Treffen Sie den Dolmetscher

Falls möglich, sollten Sie ein frühzeitiges Treffen zwischen sich und dem Dolmetscher, oder, falls dieser für ein Gerichtsverfahren dolmetschen soll, zwischen dem Klienten und dem Dolmetscher vereinbaren. So gewinnen Sie zusätzliche Zeit, um über den Hintergrund des Treffens/der Anhörung zu sprechen, den Sachverhalt durchzugehen und offenstehende Fragen zu klären. Auch wenn dies mit extra Kosten verbunden sein wird, ist es doch lohnenswert.

Schritt 3:

Briefen Sie den Dolmetscher

Auch wenn dadurch etwas mehr Arbeit auf Sie zukommen mag, sollten sie stets darum bemüht sein, dem Dolmetscher Informationen über das Treffen, den Klienten, das Strafverfahren etc. zukommen zu lassen. Es ist nicht notwendig, jedes einzelne Dokument an den Übersetzer weiterzureichen, Sie sollten den Dolmetscher jedoch auf den neusten Stand der Dinge bringen. Kein Dolmetscher lässt sich gerne „blind“ auf eine solche Situation ein, d.h. ohne zu wissen, für wen und warum er dolmetschen soll. Tatsächlich gab es schon Situationen, in denen Dolmetscher Aufträge aus ethischen Gründen oder aufgrund eines bestehenden Interessenkonflikts abgelehnt haben. Wie soll ein Dolmetscher wissen, ob er einen Hauptzeugen kennt, wenn ihm keine Informationen zu dem Gerichtsverfahren vorliegen?

Schritt 4:

Vergessen Sie den Dolmetscher

Sprechen Sie Ihren Klienten oder andere Beteiligte immer in der zweiten Person an und schauen Sie sie direkt an. Sprechen Sie nicht mit dem Übersetzer. Eigentlich sollten Sie fast vergessen, dass der Dolmetscher überhaupt anwesend ist. Sagen Sie zum Beispiel „Bestätigen Sie bitte Ihren Namen und Ihre Adresse“ und nicht „Fragen Sie ihn nach seinem Namen und seiner Adresse.“ Verwenden Sie eine einfache Sprache. Wenn Sie das Wort an Ihren Klienten richten, vermeiden Sie lange komplexe Sätze mit mehreren Nebensätzen. Vermeiden Sie Humor, Redensarten, Sprichwörter und dergleichen, die über die sprachlichen und kulturellen Grenzen hinaus in der Übersetzung verloren gehen werden.

Schritt 5:

Weisen Sie den Dolmetscher an

Zögern Sie nicht, eine Bitte an den Dolmetscher zu richten. Wenn der Dolmetscher Ihrer Meinung nach zu laut spricht, bitten Sie ihn, etwas leiser zu sprechen. Wenn er zu schnell spricht, bitten Sie ihn, langsamer zu sprechen. Wenn Sie sich nicht sicher sind, ob etwas wirklich verstanden wurde, fragen Sie nach. Dies ist in keinster Weise fordernd – und ein Dolmetscher, der sein Geld wert ist, wird dies sogar zu schätzen wissen.

Schritt 6:

Gönnen Sie dem Dolmetscher eine Pause

Dolmetschen ist psychisch anstrengende Tätigkeit. Sie müssen berücksichtigen, dass die Genauigkeit der Übersetzung mit zunehmender Müdigkeit geringer wird. Wenn der Dolmetscher über einen längeren Zeitraum hinweg dolmetschen soll, müssen Sie daran denken, den Dolmetscher nach Pausen zu fragen oder einverstanden zu sein, wenn dieser um eine Pause bittet. Wenn der Tag Ihrer Meinung nach für nur einen Dolmetscher zu lange andauert, sollten Sie vielleicht zwei Dolmetscher engagieren, die sich dann im Laufe des Tages abwechseln können.

Schritt 7:

Hetzen Sie den Dolmetscher nicht

Denken Sie daran, dass Dolmetschen mit einem gewissen Zeitaufwand verbunden ist. Im juristischen Bereich wird größtenteils konsekutiv gedolmetscht, d.h., alles wird zweimal gesagt. Zudem wird es Pausen oder Verzögerungen geben, um Bedeutungsinhalte zu prüfen oder Aussagen zu verdeutlichen. Sie müssen akzeptieren, dass dies mindestens zweimal so lange dauern wird, und diese Zeit mit einkalkulieren. Durch ein Gerichtsverfahren zu hetzen oder Menschen unter Druck zu setzen löst nicht Probleme, sondern verursacht sie vielmehr.

Wenn Sie diese 7 Schritte befolgt haben und das Verfahren noch einmal durchgegangen sind, werden Sie nichts zu befürchten haben.

Direktwahl ▸ 030 • 60 98 46 68