DIE SCHATTENSEITEN DES KORREKTURLESENS

DIE SCHATTENSEITEN DES KORREKTURLESENS

01/24/2016 Allgemein 0
korrekturlesenlektoratberlin

Aufgrund von kürzlich eingeführten Qualitätssicherungsnormen in der Übersetzerbranche, verlangen viele Anbieter von Übersetzungsdienstleistungen, dass Übersetzungen von einem zweiten Übersetzer, systematisch Korrektur gelesen oder sogar bearbeitet werden; eine Methode, die heutzutage als nötig betrachtet wird, um die Übersetzungsqualität zu sichern. Das Korrekturlesen durch eine andere Person ist aber nur sinnvoll und hilfreich, wenn diese auch wirklich kompetent ist und das Korrekturlesen oder die Überarbeitung eines Textes richtig durchgeführt wird. Darüber hinaus lohnt sich Korrekturlesen nicht immer: man nimmt sich extra Zeit, hat einen großen Aufwand, ganz zu schweigen von den Kosten, die ein Korrektor verursacht. Erschwerend kommt noch hinzu: wenn die Korrektur nicht gründlich genug ist oder sogar falsch ist und vielleicht Fehler in die Übersetzung einbaut, die vorher nicht da waren, kann die Qualität der Übersetzung darunter leiden.

WIE ERREICHT MAN EINE HERVORRANGENDE QUALITÄT?

Es wurde viel über die positiven Verdienste, die Korrektoren einbrachten, aber auch über die Missgeschicke, die passieren, berichtet. Korrekturlesen ist eine Tätigkeit, wo ein zweiter Übersetzer die Übersetzung mit dem Ausgangstext vergleicht und korrigiert. Man nennt das auch Korrigieren oder Überarbeiten einer Übersetzung. Man ist sich fast unisono darüber einig, dass Korrekturlesen nötig ist, um eine gute Qualität der Übersetzung zu sichern; man geht auch davon aus, dass Korrekturlesen systematisch gemacht werden sollte, egal welches Dokument übersetzt wurde oder welcher Übersetzer die Arbeit gemacht hat.


Dies ist wirklich eine interessante Entwicklung. Es sieht so aus, als müssten sich nur Übersetzer regelmäßig von Zweitpersonen auf die Finger schauen und ausbessern lassen – andere Berufssparten bleiben von dieser Maßnahme wohl verschont; diese Tatsache sollte uns allerdings zu denken geben. Architekten dürfen Gebäude entwerfen, Mediziner dürfen Rezepte verschreiben und Buchhalter dürfen ihre Bücher führen, ohne dass ein Kollege sie überprüfen muss, der dann entscheidet, ob sie eine gute Arbeit geleistet haben, oder ob man nicht doch lieber eingreifen sollte. Architekten und Co. kann man vertrauen, Übersetzern hingegen lieber nicht. Wenn man aber schon dem ersten Übersetzer nicht trauen kann, warum kann man dann einem zweiten Übersetzer oder Korrektor bzw. Lektor vertrauen?

Für viele Übersetzungsagenturen versteht es sich von selbst, dass Korrekturlesen oder Überarbeitung der Texte angeboten wird. Das wird deutlich ersichtlich, wenn man sich ihre Homepages durchliest: „Alle Übersetzer werden durch einen zweiten Fachkollegen kontrolliert, um höchste Qualität zu gewährleisten“; Vier Augen sehen mehr als zwei, deshalb wird jede Übersetzung von einer zweiten Person durchgesehen – so können wir Qualität garantieren“; „Dank unseres Prinzips: Vier Augen sehen mehr als zwei, können wir Ihnen höchste Übersetzungsqualität garantieren“; solche und ähnliche Aussagen finden sich auf vielen Websites von Übersetzungsagenturen. Diese Agenturen haben anscheinend eine Patentlösung für hohe oder sogar perfekte Qualität gefunden: die Arbeit des ersten Übersetzers wird einfach von einer zweiten fachkundigen Person korrigiert!

Bei dieser neuen Qualitätssicherungsnorm wird hinsichtlich der Art der Dokumente keine Unterscheidung gemacht – egal wie wichtig, heikel, kompliziert oder banal sie sind – und die Norm gilt auch für alle Übersetzer, egal wie erfahren oder kompetent sie sind. Diese generalisierende Korrigier-Regel „alle müssen in das Raster passen“ führt dazu, dass alle Übersetzungen über einen Kamm geschoren werden. Die Arbeit eines Übersetzers mit langjähriger Erfahrung, fundiertem Wissen in der Ausgangssprache und Fachwissen auf den Gebieten, aus denen er übersetzt, muss also systematisch von jemand anderem überprüft werden, so wie die Arbeit eines Neulings am Übersetzer-Himmel. Viele Übersetzer empfinden dieses Denken sicher als herabwürdigend und zwar auch durchaus gutem Grund, da solch eine Herangehensweise an die Arbeit der Übersetzer in erster Linie zwei Dinge impliziert: erstens, der Übersetzer beherrscht die Ausgangssprache oder das Themengebiet des Textes nicht gut genug; zweitens, der Übersetzer ist nachlässig und könnte etwas auslassen bzw. überarbeitet und korrigiert seinen Text ja vielleicht auch gar nicht mehr.

Aber so sah die Situation für Übersetzer nicht immer aus. Bei internationalen Organisationen war es gang und gäbe, dass Übersetzer, die schon lange im Geschäft waren, sogenannte Senior-Übersetzer, die Arbeit ihrer jüngeren Kollegen, den sogenannten Junior-Übersetzern, korrigierten; ihre eigenen Übersetzungen hingegen wurden nicht mehr überprüft. Zweifelsohne gibt es heute immer noch Firmen und Unternehmen, die auf diese Weise arbeiten. Die neue Qualitätssicherungs-Vorschrift hängt mit kürzlich eingeführten Qualitätssicherungsnormen in der Übersetzerbranche zusammen, in Europa ist das hauptsächlich die EN 15038 und in den USA die ASTM F 2575. Anbieter von Übersetzungsdienstleistungen, die angeben, sich an diese Richtlinien zu halten, oder auch dazu verpflichtet werden, brauchen eine zweite Person, die ihre Übersetzung mit dem Ausgangstext vergleicht, und zwar jeden Satz und jeden Begriff, damit gewährleistet wird, dass die Arbeit fehlerfrei und qualitativ hochwertig ist. Aber laut dem ASTM F 2575 Standard aus den USA ist das Korrekturlesen nicht verpflichtend, da der, der die Anfrage stellt, der sogenannte „Antragsteller“ und der Übersetzungsdienstleister gemeinsam entscheiden können, ob sie einen Korrektor haben wollen oder nicht. Der US-amerikanische Standard besagt darüber hinaus aber, dass die Übersetzung „unter Umständen nicht mehr die gleiche Qualität hat, wenn man den Schritt der Überprüfung durch einen Dritten auslässt“.

 

EINIGE WICHTIGE BEGRIFFE

Bei der EN 15038 Norm wird die Qualitätssicherung durch einen zweiten Übersetzer ?Überarbeitung? genannt. Falls der Originalübersetzer seine Übersetzung mit dem Ausgangstext vergleicht, wird das ?Überprüfung? genannt. Manchmal wird die Arbeit, die der zweite Übersetzer macht, auch ?Überarbeitung durch eine Zweitperson? genannt, wohingegen das, was der Übersetzer selbst macht als ?Selbstkorrektur? bezeichnet wird. Was bei der EN 15038 ?Überarbeitung? genannt wird, heißt beim ASTM F 2575 ?Bearbeitung?. Es werden auch Ausdrücke wie überprüfen, gegenlesen, vergleichendes Überprüfen, nochmaliges Lesen, prüfen oder Korrekturlesen verwendet; wobei sich alle Bezeichnungen auf die gleiche Tätigkeit beziehen.

Verwendet man Begriffe wie überprüfen, prüfen, editieren oder gegenlesen, ohne sich auf einen Qualitätsstandard zu beziehen, können die Dinge sehr zweideutig und unscharf werden, da diese Qualitätsüberprüfung der Übersetzung auch einfach nur bedeuten kann, dass man das übersetze Dokument durchliest und gar nicht mit dem Original vergleicht; dieses Verfahren würde man dann am ehesten Korrekturlesen nennen. Korrekturlesen stellt eine einfachere und weniger zeitaufwändige Methode der Qualitätskontrolle einer Übersetzung dar, die, wenn sie von einem Muttersprachler der Zielsprache durchgeführt wird, sehr effektiv sein kann; ein Muttersprachler sieht schnell, ob gewisse Dinge in der Zielsprache richtig und idiomatisch ausgedrückt sind. Korrekturlesen alleine reicht aber nicht aus, um zu bestimmen, ob eine Übersetzung fehlerfrei und qualitativ hochwertig ist.

Diese vielen verschiedenen Bezeichnungen führen oft zu Verwirrungen, Unklarheiten in Bezug auf die Bedeutung und Unehrlichkeiten.

In diesem Abstract wird für das gegenlesen einer Übersetzung mit dem Ausgangstext von einem zweiten Übersetzer, die Bezeichnung ?Überarbeitung durch eine Zweitperson? verwendet. Macht sich der Originalübersetzer selbst die Mühe, seine Arbeit zu überprüfen, nennen wir das ?Selbstkorrektur?.

WORUM GEHT ES IN DIESEM ABSTRACT?

In dieser Zusammenfassung soll nicht behauptet werden, dass eine Korrektur der Übersetzung durch andere als den Originalübersetzer sinnlos ist. Wenn sie gut gemacht wird, stellt es sicherlich eine gute Methode zur Ausbildung unerfahrener Übersetzer dar und hilft auch bei der Einschätzung eines Übersetzers: verfügt er über das nötige Wissen, hat er die Fähigkeiten zum Übersetzen und über er seine Tätigkeit gewissenhaft aus? Mit diesem Abstract wird auch nicht darauf abgezielt, andere Arten der Übersetzungskorrektur zur Qualitätssicherung als sinnlos darzustellen, da es sicher einige spezielle Dokumente gibt, für die diese Methode durchaus sinnvoll ist.

Vielmehr soll an dieser Stelle betont werden, dass Korrektur oder Überprüfung durch andere nur dann effektiv ist, wenn bestimmte Prinzipien ganz genau eingehalten werden, was leider meist nicht der Fall ist, besonders nicht im privaten Sektor. Außerdem ist die Qualität einer Übersetzung beim Korrigieren selten so stark verbessert worden, dass der Zeit-, Nerven- und Kostenaufwand für die Arbeit des Korrektors dies wieder ausmerzen kann. Manchmal geht es sogar so weit, dass man Übersetzungen durch Korrigieren verschlechtert; das heißt, korrigieren ist oft unnötig und schadet mehr, als es nützt. Das Argument, dass es ja so viele verschiedene Text gibt und man sich als Übersetzer nicht überall auskennen kann, ist auch kein Grund, sich einen Korrektor anzuschaffen, ein guter Übersetzer, der die Ausgangs– und Zielsprache exzellent beherrscht, Experte auf dem Gebiet ist, aus dem er übersetzt und viel Erfahrung bei der Anwendung von Übersetzungstechniken und Hilfsmitteln hat, der darüber hinaus über einen guten schriftlichen Ausdruck verfügt, gewissenhaft ist und Fragen zu allen Dingen, die unklar sind, stellt, braucht ganz sicher keinen Dritten, der ihm hilft und seine Übersetzung korrigiert; da wäre Zeit-, Energie-und Geldverschwendung.

 

WANN FÜHRT KORREKTURLESEN DURCH ANDERE ZU EINER QUALITÄTSSICHERUNG?

Unter welchen Bedingungen verbessern andere Arten der Korrektur nicht nur die Qualität, sondern sichern uns darüber hinaus eine gute Übersetzungsqualität? Anders ausgedrückt, wann können wir sicher sein, dass ein übersetztes Dokument fehlerfrei ist und den Zweck erfüllt, für den es vorgesehen ist? Die Rolle des Korrektors ist sehr wichtig. Er muss in der Ausgangs– und Zielsprache sehr versiert sein, das Fachgebiet beherrschen, beste Kenntnisse über Übersetzungstechniken und Hilfsmittel haben, über analytische Fähigkeiten und einen guten schriftlichen Ausdruck verfügen, gewissenhaft sein und Fragen stellen, wenn etwas unklar ist. Man kann auch sagen, dass ein zweiter Übersetzer oder Korrektor eben genau die gleichen Fähigkeiten und dasselbe Wissen haben muss, wie der Übersetzer, wenn er die Qualität der Übersetzung garantieren will. Trifft das nicht zu, versteht es sich von selbst, dass das Korrigieren sinnlos wird. Zwei unerfahrene und oder mittelmäßige Übersetzer stellen keine Entschädigung für einen erfahrenen, professionellen und ausgezeichneten Einzelübersetzer dar. Die europäische Qualitätssicherungsnorm EN 15038 besagt jedoch nichts über die Eigenschaften und Fertigkeiten, die Korrektoren mitbringen sollten. Es wird nur erwähnt, dass man Übersetzungserfahrung im betreffenden Bereich haben sollte. Laut ASTM F 2575 muss ?ein Lektor nicht über mehr Wissen verfügen als der Übersetzer oder qualifizierter sein als derselbe, sondern er ist einfach ein zweisprachiges Mitglied des Übersetzungsteams??

Wenn der Korrektor wirklich gut ist und die Qualität gewährleisten kann, dann darf der Übersetzer ihm natürlich nicht in seine Arbeit ?hineinreden? und seine Ausbesserungen verändern.

Nichts desto trotz sollte man wissen, dass auch sehr kompetente Korrektoren an den Text nicht so herangehen wie der Übersetzer das für gewöhnlich tut, außer sie lesen vorher das Ausgangsdokument gründlich durch, was allerdings, stark bezweifelt wird ? zumindest in der Privatwirtschaft ? da ja auch Zeit- und Kostenfaktoren eine Rolle spielen. Obwohl die Selbstkorrektur und andere Formen der Überarbeitung eines Textes immer auf das Gleiche hinauslaufen, geht ein Übersetzer die Überarbeitung seiner Übersetzung aus einem anderen Blickwinkel an: er verfügt über ausgezeichnetes thematisches Fachwissen und hat ein sehr breitgefächertes Allgemeinwissen; außerdem hat er ja schon jeden Satz des Ausgangstextes gelesen und sich Gedanken darüber gemacht ? bevor er an die Arbeit gegangen ist, hat er sich zudem einen Überblick verschafft und weiß genau, was bei der Übersetzung alles wichtig ist. Kurzum, ein Übersetzer geht mit einem viel genaueren Textverständnis an die Überarbeitung heran, als ein Korrektor. Der Übersetzer macht sich bei der Rohübersetzung sehr gut mit dem Ausgangstext vertraut und kann dann bei der Überarbeitung Dinge kombinieren, Sachverhalten verstehen, die er vielleicht zuvor fehlinterpretiert hat, Puzzleteile zusammenfügen , die Textkohärenz gewähren und Wiederholungen vermeiden. Beim Übersetzen ist diese ?Selbstkorrektur? also unumgänglich und sie besteht aus viel mehr als nur zu sehen, ob man etwas vergessen hat. Trotzdem verlangt ASTM F 2575 nicht, dass Übersetzer ihre eine Arbeit überprüfen. Vielleicht nimmt man bei der US-amerikanischen Qualitätssicherungsnorm an, dass das sowieso jeder Übersetzer macht? Oder man geht davon aus, dass die Eigeninitiative nicht mehr erforderlich ist, da sowieso ein anderer Übersetzer diese Aufgabe übernimmt?

Es versteht sich von selbst, dass Korrektoren, die einfach nur Satz für Satz miteinander vergleichen, das Ausgangsdokument nie so gut verstehen werden wie der Übersetzer, auch wenn sie sich vielleicht im Fachgebiet besser auskennen. Das sollte man den Korrektoren und Lektoren einmal sagen, vielleicht denken sie das nächste Mal daran, bevor sie irgendwelche Ausbesserungen machen.

 

WANN FÜHRT KORREKTURLESEN DURCH ANDERE ZU EINER QUALITÄTSVERBESSERUNG?

Wenn weder der Übersetzer, noch sein Korrektor über das nötige Wissen verfügen, dann ist die Qualität der Übersetzung keineswegs gesichert. Aber eine Korrektur durch Dritte kann in diesem Fall schon helfen, vielleicht kann die Übersetzung sogar annehmbar werden, besonders dann, wenn sich die drei Personen, die die Übersetzung bearbeiten in ihrem Wissen ergänzen, d.h. jeder weiß etwas, das der andere nicht weiß. Es ist jedoch sehr wahrscheinlich, dass Fehler und Unklarheiten in der Übersetzung bestehen bleiben und es ist durchaus denkbar, dass das übersetze Dokument seinen Zweck nicht erfüllt. Auch wenn die Überprüfung und Korrektur durch andere Übersetzer oder versierte Personen die Wahrscheinlichkeit einer ganz und gar schlechten Übersetzung reduziert, wird das Endergebnis oft noch weit von einer guten Übersetzung entfernt sein.

Die Kosten fürs Überarbeiten und korrigieren von Übersetzen sollte man auch in Bezug auf den Aufwand abwägen, d.h. man sollte überlegen, ob der Korrektor so gut ist, dass sich der Aufwand lohnt, ihn einzustellen bzw. ihm den Auftrag zu geben. Jede Übersetzung kann auf irgendeine Art verbessert werden ? oder auch klarer, präziser und leserlicher werden. Aber wenn man eine Übersetzung nicht gerade veröffentlichen will, dann sind stilistische Details oder andere Kleinigkeiten nicht so wichtig und sind oft die Zeit und das Geld nicht wert, die man für die Korrektur benötigen würde.

Auch wenn der Übersetzer und Korrektor mehr oder weniger den gleichen Wissenstand, sowie die nötigen Fertigkeiten zur Texterarbeitung mitbringen, sollten wir uns dennoch in Erinnerung rufen, dass die Korrektur durch eine andere Person die Qualität einer Übersetzung nur dann wirklich bereichern kann, wenn der Übersetzer die Ausbesserungen des Korrektors auch zu Gesicht bekommt und sie noch einmal durchsehen und gegebenenfalls überarbeiten darf. Hat der Übersetzer keine Gelegenheit, die Korrekturen anzusehen, kann es leicht vorkommen, dass die Übersetzung inkohärent ist oder unklare Stellen aufweist; das rührt daher ? wie schon oben erwähnt ? dass der Korrektor mit dem Text, im Vergleich zum Übersetzer, nur oberflächlich in Kontakt ist. Es kann auch vorkommen, dass der Korrektor den Text oder das jeweilige Thema nicht versteht und die ursprüngliche Übersetzung so korrigiert, dass sie sehr wörtlich wird ? dadurch lehnt er sich zwar stark am Original an und die Übersetzung ist sozusagen ?sicher?, trotzdem wird der Leser nicht mehr so große Freude damit haben, da der Textfluss nicht mehr vorhanden ist und er sicherlich Verständnisprobleme haben wird. Immer wieder verstehen Korrektor Textstellen falsch, was leider Fehler beim Korrigieren nach sich zieht. Der ursprüngliche Übersetzer muss auf jeden Fall den korrigierten Text erhalten, dann kann er feststellen, welche Korrekturen gut sind und welche Änderungen nicht gemacht werden sollten ? nur so kann eine Übersetzung wirklich verb verbessert werden; ohne die Zusammenarbeit von Korrektor und Übersetzer kann man kein gutes Übersetzungsergebnis erwarten. Verwunderlich ist nur, dass weder die EN 15038 noch die ASTM F auf diese durchaus wichtige Voraussetzung für die Qualitätssicherung der Übersetzung eingehen.

Wie schon zuvor angesprochen: das ganze Korrigieren hat überhaupt keinen Sinn, wenn ein Korrektor kein Fachmann ist und die Qualität der Übersetzung nicht gewährleisten kann; noch einmal soll die Wichtigkeit der Zusammenarbeit zwischen Übersetzer und Korrektor betont werden, sie müssen sich gegenseitig helfen und auch zu ihren Fehlern stehen ? nur so kann eine Übersetzung bereichert werden. All diese Arbeitsschritte sind sehr aufwändig und mühsam, bis die endgültige Version der Übersetzung abgeschickt werden kann, dauert es sehr lange und man kann nie sicher sein, ob sich der KorrigierAufwand auch wirklich gelohnt hat.

 

WANN FÜHRT KORREKTURLESEN DURCH ANDERE ZUR REDUKTION DER ÜBERSETZUNGSQUALITÄT BZW. WANN HAT MAN EINE ÜBERSETZUNG „TOT“ KORRIGIERT?

Wie eben schon angeführt, kann eine nachlässige und inkompetente Korrektur, die der Übersetzer sich nicht einmal ansehen darf, zum Qualitätsverlust der Übersetzung führen, manchmal artet eine unprofessionelle Arbeit des Korrektors sogar so aus, dass man den Text gar nicht mehr gebrauchen kann. Andere Personen können auf verschiedenste Art und Weise die Qualität der Übersetzung verschlechtern; im Folgenden gehen wir darauf näher ein.

 

DIE PERVERSEN AUSWIKRKUNGEN, DIE KORREKTUR, DIE KORREKTUR MIT SICH BRINGT 

Wenn man davon ausgeht, dass Korrektur durch andere Qualität systematisch garantiert oder die Übersetzung zumindest verbessert, dann vergisst man, dass Korrektor und Übersetzer auch nur Menschen sind. Und wir wissen ja, dass jeder so seine Fehler hat und sich das menschliche Zusammenleben nicht immer als einfach erweist. Daher sollen hier nun einige Probleme genannt werden, die besonders im Privatbereich auftreten, wo Übersetzer und Korrektor oft Konkurrenten sind, da sie für ein und denselben Kunden arbeiten. So ist es keine Seltenheit, dass ein Korrektor überkritisch ist und unnötige Ausbesserungen vornimmt, die die Übersetzung vielleicht sogar verschlechtern; das Szenario spielt sich auch andersherum ab: der Übersetzer arbeitet gegen den Korrektor, indem er gerechtfertigte Ausbesserungen nicht akzeptiert.

Übersetzungsqualität ist oft aus anderen, weniger offensichtlichen Gründen nicht gewährleistet ? es ist nämlich nicht immer ganz klar geregelt, wer für die Qualität verantwortlich ist. Weder in der EN 15038 noch in der ASTM F 2575 ist ausdrücklich festgelegt, ob nun der Übersetzer oder doch der Korrektor für die Qualität der Übersetzung zuständig ist; obwohl es logisch erscheint, dass zumindest dann der Korrekturleser für die Qualität garantieren muss, wenn der Übersetzer die Ausbesserungen gar nicht zu Gesicht bekommt. Wenn nicht klar festgelegt wird, wo die Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten liegen, dann wird es immer zu unangenehmen Situationen kommen und wie es nun einmal in der Natur des Menschen liegt, versucht jeder, selbst am besten dazustehen und wird im Ernstfall die Schuld auf den anderen schieben;  ja Konkurrenten sind.

Zum einen hat der Korrektor ein ganz anders Verhältnis zur Übersetzung als der Übersetzer, der die ursprüngliche Arbeit gemacht hat. Auch wenn ein Korrektor das letze Wort hat und Ausbesserungen vornimmt, ist die Übersetzung nun einmal nicht sein Werk. Wenn man in Betracht zieht, wie schlecht Korrekturlesen am privaten Markt bezahlt wird, kann man aber auch verstehen, dass nicht einmal der gewissenhafteste Korrektor sich nicht die Zeit nehmen wird, die Übersetzung unter Berücksichtigung aller Kommentare und Anmerkungen, die er gemacht hat, auszubessern und umzuschreiben; er wird sich auch deshalb zurückhalten, weil er ja nicht weiß, ob seine Ausbesserungen vom Übersetzer oder Kunden überhaupt angenommen werden. Korrekturleser haben einfach nicht denselben Bezug zu der Übersetzung wie der Übersetzer, für den seine Arbeit quasi sein Baby ist.

Wenn der Korrektor sehr gut ist und es in seiner Hand liegt, was ausgebessert werden soll und was nicht, kann es schon vorkommen, dass der Übersetzer sich nicht mehr so viel Mühe gibt und sich weigert, gewisse Dinge zu recherchieren, da er vom Korrektor erwartet, alle Mängel im Text zu finden und dann auch auszubessern. So etwas passiert besonders dann, wenn der Übersetzer unter Zeitdruck steht, was doch meistens der Fall ist. Es kommt auch vor, dass Übersetzer ihre Übersetzung gar nicht mehr überarbeiten, eine unverzeihliche Sünde in der Übersetzerbranche.

Ist der Korrektoren kein ?KorrigierFachmann?, sondern einfach ein Übersetzerkollege, also wenn er, wie man so schön sagt, als ?zweites Augenpaar? fungiert, dann verlassen sich Übersetzer und Korrektor aufeinander, da sie ja davon ausgehen, dass der Kollege weiß, was er tut. Manchmal muss der Übersetzer bei der Bedeutung eines Satzes oder der Übersetzung eines Begriffes raten und sich dann auf den Korrekturleser verlassen, und hoffen, dass dieser, dieser, falls nötig, Änderungen vornimmt. Außerdem kann es vorkommen, dass sich der Korrektor nicht sicher ist und einfach die Interpretation des Übersetzers stehen lässt, da sie ihm logisch erscheint. Solche Dinge passieren schnell und besonders dann, wenn man unter Zeitdruck steht.

 

WANN IST DAS KORREKTURLESEN DURCH ANDERE SINNVOLL?

Wenn ein Korrektor ein erfahrener und kompetenter Übersetzer ist, der sich im jeweiligen Fachgebiet sehr gut auskennt, dann sind seine Anmerkungen und Ausbesserungen meist sinnvoll und tragen zur Qualitätsverbesserung der Übersetzung bei. Solche Leute erfüllen acuh noch andere Zwecke, z.B. können sich ein ?Senior-Übersetzer?/Korrektor und oder mehreren kompetente ?Junior-Übersetzerkollegen? einen großer Auftrag untereinander aufteilen. So schafft man es, knappe Deadlines einzuhalten und zusätzlich profitieren etwas weniger erfahre Kollegen von der Situation, da sie die Möglichkeit haben, wertvolle Erfahrungen zu sammeln und Feedback für ihre Übersetzungen in einem ganz spezifischen Themenbereich zu bekommen.

Nur ein professioneller und qualifizierter Korrektor kann sagen, ob ein Dokument gut übersetzt wurde, oder ob ein Übersetzer die erforderlichen Fähigkeiten und das nötige Wissen mitbringt, um eine gute Arbeit abzuliefern.

 

SCHLUßFOLGERUNG

Korrekturlesen durch andere trägt nur dann zur Qualitätsverbesserung einer Übersetzung bei, wenn der Korrektor ein sehr gut ausgebildeter Fachmann ist, der sowohl auf dem Themengebiet des Textes bewandert ist, gründlich arbeitet ,als auch ? ein grundlegender Punkt ? sich die nötige Zeit nimmt, den Ausgangstext zu lesen und zu verstehen, anstatt einfach Ausgangs- und Zieltext Satz für Satz miteinander zu vergleichen. Leider ist das meist nicht der Fall, es mag vielleicht abschreckend klingen, aber besonders im privaten Sektor, wo die Übersetzungen ? meist zum Leidwesen der Qualität ? von anderen korrigiert werden, geht es nicht so rosig zu und Texte werden ?tot? korrigiert; und dabei kann man es den Korrektoren nicht einmal wirklich übel nehmen: sie bekommen von den Übersetzungsagenturen pro Wort so wenig bezahlt, dass sogar dem erfahrensten, noch so spezialisierten und begabten sowie gewissenhaften Übersetzer die Energie ausgeht. Ganz offen gesagt: gute Korrektoren möchten für ihre qualitative Arbeit eine ordentliche Entschädigung erhalten, besonders auch deswegen, weil sie beim Übersetzen viel mehr verdienen können.

Wenn der Übersetzer noch dazu die Korrekturen gar nicht sehen, geschweige denn einschätzen und gegebenenfalls noch einmal ändern darf, dann wird die Qualität der Übersetzung nicht nur nicht verbessert, nein die Übersetzung wird im wahrsten Sinne des Wortes ?tot? korrigiert und ist dann auch qualitativ schlecht und nicht mehr zu gebrauchen. Und auch wenn wir davon ausgehen, dass eine Korrektur auch einmal konstruktiv ist, heißt das noch lange nicht, dass sie die Zeit und die Kosten für den Aufwand wieder wettmacht.

Obwohl die Korrektur durch andere alle anderen Arten der Überarbeitung als effektive Methode der Qualitätssicherung erhalten hat, ist es sehr wahrscheinlich, dass viele Übersetzungsdienstleister diese Methode überdenken werden. Einige Übersetzungsagenturen würden sicher gerne eine weniger diskriminierende Art der Übersetzungsüberprüfung einführen, und andere Personen nur dann in die Arbeit der Übersetzer eingreifen lassen, wenn es sich um einen besonders heiklen Auftrag handelt, oder wenn knappe Deadlines die Hilfe eines weniger erfahrenen Übersetzers erfordern. Auf jeden Fall wollen Machthaber in der Wirtschaft nur mit Übersetzern zusammenarbeiten, die sehr kompetent und erfahren sind und werden diese dann auch bestärken, für Übersetzungsagenturen zu arbeiten, die ihre Fähigkeiten schätzen, ihnen selbstständiges Arbeiten zutrauen und ihre Arbeit angemessen entschädigen.

 

 

 

 

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