SO WIRST DU EIN GUTER ÜBERSETZER

SO WIRST DU EIN GUTER ÜBERSETZER

01/21/2016 Übersetzer 0

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 Wir sind Angehörige eines Landes, wir gehören aber auch der Weltgemeinschaft an, was uns eine und eine globale Identität gewährt. Also ergibt es sich von selbst, dass wir über Weltangelegenheiten nachdenken und Beiträge zur Problemlösung auf der Welt leisten. All diese Dinge können wir nur durch unser Hauptwerkzeug, die Sprache erreichen, die soziologisch bestimmt ist. Unser Glaube und unsere Ideologien sind immer durch die Art und Weise, wie wir sprechen, bestimmt; die Gemeinsamkeiten sind aber nicht ersichtlich, nur eine kritische linguistische Betrachtung kann diese versteckten Gemeinsamkeiten oder Dinge, die uns verbinden, im Diskurs aufzeigen.

DIE KULTUR EINER NATION KANN NUR DURCH INTERAKTION MIT ANDEREN KULTUREN GEDEIHEN

Darüber hinaus wissen wir, dass die Kultur einer Nation nur durch Interaktion mit anderen Kulturen gedeihen kann. Erst die Varietät der Kulturen öffnet uns die Augen und macht uns sensibel für Menschenrechte. Worin diese Varietät besteht, kann man nur herausfinden, wenn man mit anderen Menschen spricht, was uns wieder zu unserem Hauptwerkzeug, der Sprache, zurückführt. Die Rolle der Sprache nimmt in unserer entwickelten Welt durch die Translation Form an; da kritische Linguistik oder Sprachwissenschaft sich mit Prozessen der Produktion und Interpretation von Texten beschäftigt, sowie mit der Art und Weise, wie diese kognitiven Prozesse sich in der Gesellschaft entwickeln, kann man die Sprachwissenschaft durchaus als alternativen Ansatz zur Translationswissenschaft ansehen. Die Welt wird immer kleiner, gleichzeitig entwickeln sich die Kommunikations- und Informationssysteme immer stärker und werden immer raffinierter. Im Zeitalter eines so schnellen Informationsaustausches und um Kontakte zu anderen Kulturen zu pflegen, ist die Translation unentbehrlich. Daher braucht man kompetente Übersetzer und Dolmetscher. Wie vorher schon erwähnt, verändert sich die Welt in unterschiedlichen Bereichen, wie beispielsweise Technologie, Fort- und Ausbildung, Unterrichtsmethoden etc. Diese Veränderungen wirken sich auf höhere Bildungssysteme aus, darunter auch Ausbildungsprogramme für Übersetzer und Dolmetscher. Laut Shahvali (1997) reichen theoretisches Wissen und praktische Fähigkeiten alleine nicht aus, um Studenten auf Entwicklungen auf diesem Gebiet vorzubereiten. Man muss anpassungsfähig sein; daher sollte man Studenten hauptsächlich darin fördern, sich eigenständig über die aktuelle politische und gesellschaftliche Entwicklungen zu informieren und sich entsprechende mentale, kommunikative und organisatorische Fähigkeiten anzueignen.

Übersetzer und Dolmetscher auszubilden ist eine wichtige Aufgabe, sie sollte an erster Stelle stehen und gewissenhaft getan werden. Die Dienstleistung, die Übersetzer und Dolmetscher zur Verbesserung des kulturellen Verständnisses und zur Bereicherung der Sprache erbringen, war im Verlauf der Geschichte immer sehr wichtig. Übersetzer und Dolmetscher sind Sprachmittler, die Nachrichten aus einer Sprache in die andere übertragen und dabei die zugrundeliegenden kulturellen und sprachlichen Ideen und Werte aufrechterhalten (Azabdaftary, 1996).

Aufgabe des Translators ist, Bedingungen zu schaffen, unter denen der Autor der Ausgangssprache und der Leser der Zielsprache miteinander interagieren können. (Lotfipour, 1997).

Der Übersetzer oder Dolmetscher produziert aus der Hauptaussage des Ausgangstextes, einen komplett neuen Text, und zwar den Zieltext (Farahzad, 1998).

In Anbetracht dieser Tatsachen stellt sich die Frage:

WELCHE FÄHIGKEITEN UND KENNTNISSE BRAUCHT EIN GUTER ÜBERSETZER?

 .

ANALYSIERE VERSCHIEDENE ÜBERSETZUNGEN UNTERSCHIEDLICHER TEXTE

Zuerst einmal sollten Übersetzer der Translationswissenschaft viele verschiedene Übersetzungen unterschiedlicher Texte lesen, analysieren und bewerten, dadurch entwickeln sie passive oder sogenannte rezeptive Fähigkeiten, die sie für ihre eigentliche Tätigkeit benötigen. Man braucht aber zum Übersetzen zusätzlich zu den rezeptiven oder passiven Fertigkeiten auch noch aktive oder produktive Fähigkeiten, die man sich leichter erarbeiten kann, wenn man vorher schon passiv mit Texten gearbeitet hat. Hat man sich erst einmal diese rezeptiven Fähigkeiten verinnerlicht, bekommt man automatisch ein viel besseres Sprachgefühl.

LIES – LIES – LIES

Ein guter Übersetzer oder Dolmetscher besitzt hervorragende Kenntnisse in der Ausgangs- und Zielsprache. Translationswissenschaftsstudenten bzw. alle, die Übersetzer werden möchten, sollten so viel wie möglich lesen, und zwar verschiedene Texte im Bereich der modernen Literatur und zeitgenössischen Prosa, es empfiehlt sich darüber hinaus auch die Lektüre von Zeitungen, Zeitschriften, Werbung, Anzeigen, Bedienungsanleitungen etc. Mit all diesen Genres vertraut zu sein, bildet die Grundlage für die Anfertigung einer guten Übersetzung, da jede dieser Textsorten ganz bestimmte, spezifische, sprachliche und kulturelle Aspekte aufweist, die implizit vermittelt werden. Es erweist sich als ratsam, translationswissenschaftliche Texte zu lesen, wie zum Beispiel kürzlich veröffentlichte Artikel und Fachzeitschriften über theoretische und praktische Aspekte der Translation. Das verbessert nicht nur das Leseverständnis, sondern hilft Studenten der Translationswissenschaft auch dabei, linguistische und translationswissenschaftliche Denkanreize zu verstehen, von denen sie dann im tatsächlichen Übersetzungsprozess intuitiv Gebrauch machen werden.

SCHREIBE – KORRIGIERE – STELLE UM – SCHREIBE

Der schriftliche Ausdruck, also die Fähigkeit, kohärente sowie sprachlich und grammatikalisch richtige Texte in der Ausgangs-und Zielsprache, zu verfassen, ist essentiell. Das Schreiben ist im Grunde der Hauptberuf des Übersetzers. Verschiedenen Schreibstile und -techniken, Prinzipien zur Bearbeitung von Texten sowie die richtige Zeichensetzung sollten den Studenten geläufig sein. Dies gilt natürlich immer sowohl für die Ausgangs- als auch für die Zielsprache. Die Überarbeitung und richtige Zeichensetzung verbessert den Lesefluss und die Qualität einer Übersetzung (Razmjou, 2002).

ENTWICKLE DEIN SPRACHGEFÜHL: SEI ACHTSAM – HÖRE GENAU ZU

Außerdem müssen Übersetzungsstudenten ein gutes Gehör für die Ausgangs-und Zielsprache entwickeln, also aufmerksam auf verschiedene Formulierungen, idiomatische Redewendungen, spezifisches Vokabular und die richtige Verwendung achten, sich diese Dinge verinnerlichen und dann auch anwenden können. All diese sprachlichen Nuancen tragen wesentlich zur Verbesserung des Sprachgefühls bei. Ein gutes Sprachgefühl entwickelt man aber nicht von heute auf morgen, man braucht dafür viel Übung und ein fundiertes Hintergrundwissen. Das bedeutet, Sprachgefühl entsteht aus der Kombination von Theoriewissen und Praxiserfahrung. Für einen kompetenten Übersetzer ist ein gutes Sprachgefühl ein absolutes Muss.

KENNE DIE KULTUR – ERKENNE SPRACHLICHE FEINHEITEN

Beim Übersetzen ist einer der wichtigsten Punkte das Verstehen des Ausgangstextes und zwar unter besonderer Berücksichtigung der kulturellen und sprachlichen Besonderheiten sowie der idiomatischen Verwendung der Ausgangssprache. Auf diese Art und Weise wird ein Übersetzer den Text nur dann verstehen, wenn er die kulturellen Unterschiede der Ausgangs- und Zielsprache kennt und über die richtige idiomatische Verwendung beider Sprachen genau Bescheid weiß. Der Übersetzer muss in der Lage sein, die nicht auf Anhieb erkennbaren Nuancen und Hintergrundinformationen des Ausgangstextes mit Hilfe verschiedener linguistischer Textanalysemethoden zu erkennen.

LERNE, VERSTEHE UND SPRICH DIE SPRACHEN DER VERSCHIEDENEN SOZIALEN SCHICHTEN

Ein guter Übersetzer ist mit der Kultur, den Bräuchen und dem sozialen Umfeld der Sprecher der Ausgangs- und Zielsprache bestens vertraut. Darüber hinaus sollte er über verschiedene Register, Sprechweisen und soziale Schichtungen in den Kulturen seiner Arbeitssprachen Bescheid wissen. Übersetzungsstudenten werden sehen, dass die Übersetzung durch das Einbringen von soziokulturellem Wissen qualitativ hochwertiger wird. Laut Hatim und Mason (1990) ist es beim Übersetzen wichtiger, den sozialen Kontext zu berücksichtigen, als das Textgenre. Da das Übersetzen im soziokulturellen Kontext stattfindet, sollte man sich als professioneller Übersetzer auch in diesen hineinversetzen.

NUTZE HILSMITTEL

Nachdem man in der Ausgangs- und Zielsprache gute Kenntnisse erworben hat, kann man mit dem Übersetzen an sich beginnen. Es gibt jedoch noch eine Stufe zwischen der Phase, in der man sich die Kompetenzen, Fähigkeiten und Kenntnisse aneignet, und der, in der man dann wirklich zu übersetzen beginnt. Diese Zwischenstufe besteht darin, die verschiedensten Informationsquellen zu kennen, die man als Hilfsmittel zur Verfügung hat, und diese dann auch richtig anzuwenden; solche Quellen sind beispielsweise verschiedene mono-und bilinguale Wörterbücher, Lexika und das Internet.

Aber auch das richtige Verwenden von Wörterbüchern will gelernt sein; viele Übersetzungsstudenten wissen nicht, wie sie mit Wörterbüchern umgehen sollen. Wörter haben je nach Kontext verschiedene Bedeutungen; für solche Fälle sind meist gerade einsprachige Wörterbücher am hilfreichsten. Wenn man noch in der Ausbildung ist, braucht man einige Zeit und Übung, bis man mit einem einsprachigen Wörterbuch gut umgehen kann.

KENNE DIE VERSCHIEDENEN STILMITTEL

Übersetzungsstudenten sollten auch die Syntax der indirekten Rede kennen und wissen, was die Hyperbel, Ironie, Meiose (=reduzierte Sprache) und die Implikation sind. Wenn Translationswissenschaftsstudenten diese Stilfiguren der Sprache kennen, kann das ihre Kreativität fördern und aus passivem Wissen aktive Fähigkeiten machen.

ÜBE IN DER GRUPPE

Bei der Konzentration auf den Erwerb von sprachlichen Kompetenzen in der Ausgangs- und Zielsprache sollte man die Art und Weise, wie man diese erwerben kann, nicht vergessen. Gruppenarbeit oder das Übersetzen gemeinsam mit Fachkollegen führt immer zu guten Ergebnissen. Wenn man als Student das Übersetzen mit Fachleuten übt, wird man Probleme sicherlich leichter und schneller lösen, gewinnt Selbstvertrauen und kann Techniken zur Entscheidungsfindung entwickeln (Razmjou, 2002). Natürlich kann es auch in der Gruppenarbeit vorkommen, dass Fehler passieren, aber die Studenten werden durch das Erkennen und Korrigieren von Fehlern sicher offener und geistig wacher.

SPEZIALISIERE DICH AUF EIN FACHGEBIET

Was man auch beachten sollte: Gute und erfolgreiche Übersetzer spezialisieren sich immer auf ein bestimmtes Fachgebiet und arbeiten dann nur noch in diesem – die Übersetzung von literarischen, wissenschaftlichen oder journalistischen Texten zum Beispiel. Aber diese Einteilung der Fachgebiete ist noch sehr vage, man kann die Bereiche noch in zahlreiche Unterkategorien einteilen; ist man literarischer Übersetzer, kann man sich auf Gedichte, Kurzgeschichten oder Romane spezialisieren. Es geht sogar noch weiter: Manche Übersetzer suchen sich einen bestimmten Autor aus und übersetzen dann nur noch seine Werke – und das aus durchaus gutem Grund: je mehr Texte man von ein- und demselben Autor übersetzt, desto schneller gewöhnt man sich an die Person, an ihre Denkweise und den Schreibstil; je besser der Übersetzer also den Schreibstil eines Autors kennt, desto besser sind auch seine Übersetzungen.

STUDIERE ÜBERSETZEN AN EINER HOCHSCHULE

Das Übersetzen lernt man am besten in einem akademischen Umfeld wie der Universität, wo Übersetzungsstudenten praktische Aufgaben unter Aufsicht von Lehrpersonen übernehmen, das heißt Übersetzungen oder andere translationsrelevante Übungen machen. Darüber hinaus sollte ein guter Übersetzer Grundlagenwissen haben bzw. auch über den aktuellen Stand der Translationswissenschaftsforschung informiert sein – all das zählt zum fundamentalen Wissen, das man ebenfalls an der Universität vermittelt bekommt. An der Universität oder einer anderen Hochschule hat man auch Zugang zu kürzlich publizierten translationsrelevanten Artikeln, Magazinen und Büchern. Durch das Studieren solcher Literatur und das Vergleichen von Übersetzungen mit dem Ausgangstext, können Übersetzungsstudenten lernen, wie gute Übersetzungen auszusehen haben und sich mit wichtigen Namen auf diesem Gebiet vertraut machen. Auf diese Art können Studenten Fähigkeiten in der Beobachtung, dem Verständnis und der Entscheidungsfindung entwickeln, was sich sowohl auf ihre Motivation als auch auf das Rüstzeug zu einem guten Übersetzer positiv auswirkt.

Daher ist die Translationswissenschaft mittlerweile als wichtige und eigenständige Disziplin anerkannt und hat sich von der Sprachwissenschaft, Linguistik oder anderen Sprachstudien, wie Romanistik, Anglistik etc. zu einer unabhängigen Studienrichtung an der Universität etabliert. Diese Entwicklung zeigt, dass nicht jeder, der eine Fremdsprache spricht, auch automatisch ein guter Übersetzer ist – eine Meinung, die weit verbreitet, aber völlig aus der Luft gegriffen ist. Übersetzer schlagen Brücken zwischen Kulturen und tragen zur internationalen Kommunikation bei. In einer Welt, die aus Kommunikationsmitteln und einer Fülle von Informationen besteht, brauchen wir kompetente Übersetzer, die das theoretische Wissen sowie die praktischen Fertigkeiten besitzen, Kommunikation zwischen verschiedenen Kulturkreisen zu ermöglichen. Theoretisches Wissen ist deshalb so wichtig, weil Übersetzer so besser verstehen können, warum bestimmte linguistische Techniken angewandt werden und wie diese sich auf die Beziehung zwischen Sender und Empfänger auswirken (zum Beispiel Machtverhältnisse), oder um zu verstehen, wie Texte manchmal bewusst eingesetzt werden, um soziale Ungleichheiten zu erhalten oder zu schaffen (Fairclough, 1989).

Abschließend soll erwähnt werden, dass man, wenn man ein guter Übersetzer werden will, viel mehr als nur ein gutes Wörterbuch braucht und dass der Lernprozess, den ein Übersetzer durchlaufen muss, seine Zeit dauert; über Nacht wird man sicherlich kein professioneller Übersetzer. Man muss viel Zeit und Energie in die Pflege der Sprachen stecken, wieder sind sowohl die Ausgangssprache gemeint, aus der man übersetzt, als auch die Zielsprache, in die man übersetzt. Es erweist sich als eine der schwierigsten Aufgaben überhaupt, mit einer Sicherheit und Professionalität zwischen zwei verschiedenen Sprachsystemen hin- und herzuwechseln. Nur eine systematische, differenzierte und qualitative Ausbildung zum Übersetzer wird auch gute Fachleute hervorbringen. Der schwierigste Schritt auf dem Weg zu einem guten Übersetzer müssen Translationswissenschaftsstudenten erst nach der Ausbildung machen – dieser besteht darin, sich nach Abschluss der universitären Ausbildung auf dem Übersetzermarkt zu behaupten.

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