Standarddeutsch versus Dialekte: Warum wir anders schreiben als wir sprechen

09.05.2024 | von Evarella
Wir schreiben Standarddeutsch, aber sprechen in Dialekten
In der Welt der Sprache gibt es eine faszinierende Diskrepanz zwischen dem, was wir sprechen, und dem, was wir aufs Papier bringen. Simon Pickl, Linguist an der Paris Lodron Universität Salzburg, erforscht in seinem Gastblogbeitrag diese Kluft zwischen dem standardisierten Hochdeutsch, das wir beim Schreiben verwenden, und den vielfältigen regionalen Dialekten, die unseren Alltag prägen. Diese Diskrepanz spiegelt nicht nur sprachliche Ideologien wider, sondern hat auch tiefgreifende Auswirkungen auf unsere Wahrnehmung und Bewertung von Sprache.
Die Sprachenvielfalt in Deutschland und darüber hinaus
Die Vielfalt der deutschen Sprache ist ein faszinierendes Phänomen, das weit über die Grenzen Deutschlands hinausreicht. Während wir in der Schule das standardisierte Hochdeutsch lernen, das in Wörterbüchern und Grammatiken festgehalten ist, prägt uns im täglichen Leben oft ein regionaler Dialekt oder eine Umgangssprache. Diese Vielfalt erstreckt sich über alle deutschsprachigen Länder und Regionen und manifestiert sich sogar dort, wo die alten Dialekte langsam verschwinden.
Die Rolle des Standarddeutschen und der Dialekte
Das Standarddeutsch, das wir oft als "Hochdeutsch" bezeichnen, ist eine normierte Form der Sprache, die in formellen Kontexten wie der schulischen Ausbildung oder behördlicher Kommunikation verwendet wird. Es ist jedoch wichtig zu erkennen, dass die Dialekte die eigentlichen "Mundarten" sind, aus denen sich das Standarddeutsche entwickelt hat. Diese Dialekte bieten einen einzigartigen Einblick in natürliche Sprachentwicklung und dienen als ideales "Testgelände" für Sprachwandeltheorien.
Sprachliche Ideologien und ihre Auswirkungen
Die Vorstellung eines "korrekten" Deutsch ist eng mit sprachlichen Ideologien verbunden, die oft unbewusst unsere Wahrnehmung von Sprache prägen. Diese Ideologien führen zu Wertungen und Bewertungen von Sprachgebrauch, die potenziell stigmatisieren und diskriminieren können. Eine Metastudie hat gezeigt, dass Bewerber mit einem erkennbaren Dialekt oder fremdsprachlichen Akzent Benachteiligungen beim Bewerbungsverfahren erfahren können, was einen klaren Verstoß gegen die EU-Charta der Grundrechte darstellt.
Sprachstandardisierung und ihre Folgen
Die Standardisierung der Sprache ist ein vergleichsweise junger Prozess, der erst in der frühen Neuzeit begann. Dieser Prozess hat jedoch tiefgreifende Auswirkungen auf unsere Wahrnehmung von Sprache und prägt die Vorstellung eines "richtigen" Deutsch. Es ist wichtig zu erkennen, dass die Standardsprache nicht allein das Ergebnis natürlicher Sprachentwicklung ist, sondern durch bewusste Eingriffe und sprachliche Ideologien geformt wurde.
Die Zukunft der deutschen Sprache
Die Vielfalt der deutschen Sprache ist ein kostbares Gut, das bewahren werden muss. Die Sprache verändert sich ständig, und wir müssen bereit sein, diese Veränderungen anzunehmen und zu verstehen. Junge Menschen nutzen zunehmend den Dialekt in geschriebener Form, was zu einer neuen Dynamik in der deutschen Sprache führt. Diese Entwicklung ist kein Zeichen des Verfalls, sondern vielmehr ein Ausdruck unserer Fähigkeit, flexibel und situationsadäquat zu kommunizieren.
Fazit: Die Bedeutung der Sprachenvielfalt
Die Diskrepanz zwischen dem standardisierten Hochdeutsch und den regionalen Dialekten ist ein faszinierendes Phänomen, das unsere Wahrnehmung von Sprache prägt. Indem wir die Vielfalt der deutschen Sprache schätzen und verstehen, können wir dazu beitragen, Vorurteile abzubauen und eine inklusive Sprachgemeinschaft zu fördern. Es liegt an uns, die reiche Vielfalt unserer Sprache zu bewahren und zu feiern, denn in ihrer Diversität liegt ihre wahre Schönheit.